Das Kollektiv

SCHWERPUNKT HEXENVERFOLGUNG
Die marxistische Feministin Silvia Federici hat analysiert, dass die Hexenverfolgung im Umbruch von Feudalismus zu Kapitalismus die Macht der Frauen* brechen sollte, um sie an die Reproduktionsarbeit zu binden. Während Hexen damals marginalisierte, widerständige Frauen* waren, die durch staatliche, tödliche Gewalt “domestiziert” werden sollten, stehen die Schlampen heute als Figuren für weibliche* Rebellion im Neo-Liberalismus, die frei über ihre Körper verfügen. Unsere These ist, dass die Hexenjagd nie geendet, sondern nur ihre Form gewandelt hat. Abwertung von Femininität, Pathologisierung von nicht hetero-konformem Begehren und Geschlechtlichkeit, sowie die Diskriminierung von körperlicher Vielfalt sind Vermächtnisse aus dem Spätmittelalter, die weibliche* Identitäten heute tagtäglich kontrollieren wollen. Was die Hexen von damals und die Schlampen von heute verbindet ist eine Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse aus nicht hegemonialen Perspektiven und die Forderung nach der Befreiung des als weiblich* markierten Körper und seiner Sexualität.

Das * soll auf die Konstruiertheit von Geschlecht und damit einhergehenden Zuschreibungen verweisen, die im kapitalistischen Partriarchat in die Sphären von männlich* (Produktion) und weiblich* (Reproduktion) binarisiert worden sind. Hexen und Schlampen fallen aus der reproduktiven Sphäre von Weiblichkeit* heraus und werden dadurch als „das Andere“ konstruiert.

Das 2019 gegründete Performancekollektiv b/w*itch besteht aktuell aus Katharina Greeven, Esther Adam, Kattalin Newiger Mitxelena und Anngret Schultze. b/w*itch agiert an den Schnittstellen von (Sound-)Performance, Choreografie, Installation und Aktivismus. Wir sind weiße Künstler:innen, FLINTA*s und leben in Hamburg und Bremen.

Über die Städte hinweg arbeiten wir teils digital, am liebsten aber gemeinsam live vor Ort. Wir greifen zurück auf aktuelle queerfeministische Diskurse, Literatur und Phänomene, die uns begeistern, berühren und stören. b/w*itch lauscht Geschichten jenseits hegemonialer Diskurse und spürt historischen Kontinuitäten bis in die Gegenwart nach. „Ein wichtiger Arbeitsansatz ist, mit Künstler:innen zu arbeiten, die weitere soziale Positionierungen abbilden, als diejenigen, die im Kollektiv bereits vertreten sind. So erweitern wir unsere Perspektiven und können vielfältigere Stimmen abbilden.“

Aktuell sind Strategien von Softness und Care Ausgangspunkte für ihre Arbeiten: die Frage nach dem liebevollen Gestalten von performativen Situationen, in denen Empowerment, Beisammensein, Solidarität und Wissentransfer erfahren werden können.                   

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