Das Kollektiv

SCHWERPUNKT HEXENVERFOLGUNG
Die marxistische Feministin Silvia Federici hat analysiert, dass die Hexenverfolgung im Umbruch von Feudalismus zu Kapitalismus die Macht der Frauen* brechen sollte, um sie an die Reproduktionsarbeit zu binden. Während Hexen damals marginalisierte, widerständige Frauen* waren, die durch staatliche, tödliche Gewalt “domestiziert” werden sollten, stehen die Schlampen heute als Figuren für weibliche* Rebellion im Neo-Liberalismus, die frei über ihre Körper verfügen. Unsere These ist, dass die Hexenjagd nie geendet, sondern nur ihre Form gewandelt hat. Abwertung von Femininität, Pathologisierung von nicht hetero-konformem Begehren und Geschlechtlichkeit, sowie die Diskriminierung von körperlicher Vielfalt sind Vermächtnisse aus dem Spätmittelalter, die weibliche* Identitäten heute tagtäglich kontrollieren wollen. Was die Hexen von damals und die Schlampen von heute verbindet ist eine Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse aus nicht hegemonialen Perspektiven und die Forderung nach der Befreiung des als weiblich* markierten Körper und seiner Sexualität.

Das * soll auf die Konstruiertheit von Geschlecht und damit einhergehenden Zuschreibungen verweisen, die im kapitalistischen Partriarchat in die Sphären von männlich* (Produktion) und weiblich* (Reproduktion) binarisiert worden sind. Hexen und Schlampen fallen aus der reproduktiven Sphäre von Weiblichkeit* heraus und werden dadurch als „das Andere“ konstruiert.

Das Performancekollektiv b/w*itch wurde 2019 ins Leben gerufen und agiert zwischen Bremen, Hamburg, Berlin und São Paulo.

Wir sind Künstler_innen, Frauen*,nicht-binär und überwiegend weiß.

b/w*itch arbeitet performativ mittels Choreographie,Textcollagen, Humor und experimentellem Sound und forscht zum Terror auf weibliche Körper, und deren Widerstand im kapitalistischen Patriarchat. Im Fokus steht dabei die Hexenverfolgung im Spätmittelalter und deren Auswirkungen auf heutige Machtverhältnisse undgenderspezifische Arbeitsteilung.

Kollektiv zu arbeiten bedeutet für b/w*itch Strukturen transparent und hierarchiearm zu gestalten. Wir sehen dies als einen Beitrag patriarchale Strukturen aufzubrechen. Beispielsweise rotieren wir in Positionen wie Konzeption, Regie und künstlerische Leitung. b/w*itch experimentiert neben der Erforschung des alltäglichen Körpers und popkulturellen Aneignungen mit Rap/Sprechgesang, Capoeira, Contact Improvisation und neopaganistischen Ritualpraktiken. Es entstehen schrille Bilder von Femininitäten*, die zwischen Text und erweiterter Choreographie mäandern. Transformation von Inhalt und Material/Bühnenbild in absurde Gegensätzlichkeiten sind Strategien unserer Arbeit. Neonfarbener Neoliberalismus ummantelt scheinbar sanft die Asche vom kollektivem Trauma, bevor wütende Stimmen die Plastikhüllen sprengen. Der Sound von b/w*itch ist ein Potpourri aus (weiblicher*) Stimme, Gesang, Geräuschen,Textcollagen, Werbeschnipseln und Synthi-Beats – verzerrt oder roh. Repetitiv und experimentell. Flächig und dreckig. (Dis)harmonisch. Intuitiv. Der akustische Hexenkessel ist: eine Loopstation, in der sich Stimme und Beats überlagern, die sie gegeneinander kämpfen oder harmonisieren lässt; zwei Synthesizer und zwei Menschen, die mal gemeinsam, mal einzeln (be)arbeiten.

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